Kennzeichnung und Dokumentation kontrollierter Bereiche

Projetstart „Kennzeichnung und Dokumentation kontrollierter Bereiche“ im Landkreis München mit Übergabe der Kennzeichnungstaschen durch den Landrat

von Kreisbrandmeister Thilo A. Hoffmann

Am 13.02.2020 fand im gut besuchten Lehrsaal in Haar die Informationsveranstaltung „Kennzeichnung und Dokumentation kontrollierter Bereiche“ im Landkreis München mit Übergabe
der Kennzeichnungstaschen an die Feuerwehren statt. Auf Einladung der Kreisbrandinspektion haben sich an diesem Abend rund 90 Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren und Werkfeuerwehren, sowie des Landratsamts München zusammengefunden.

Hintergrund ist die geplante Einführung eines einheitlichen Systems zur Kennzeichnung und zur Dokumentation abgesuchter Bereiche bzw. Nutzungseinheiten mit Schlüsselverwaltung im Landkreis München bei größeren Schadenslagen zum 01.05.2020. Hierzu wurden mit Landkreismitteln die zugehörigen Kennzeichnungstaschen beschafft (130 Stück), die für die Bedürfnisse des Landkreises individuell entwickelt und zusammengestellt wurden. Die Notwendigkeit für ein strukturiertes, einheitliches Vorgehen bei der Kontrolle und Dokumentation von Bereichen konnte an größeren Einsatzstellen in der Vergangenheit mehrfach festgestellt werden.

Ziel dieses Systems ist es, möglichst schnell und aussagekräftig alle relevanten Informationen über den Verbleib von Personen an Einsatzstellen zusammenzuführen: Welcher Bewohner bzw. Nutzer hält sich wo auf? Noch in der Wohnung? Bereits durch den Rettungsdienst betreut? Bei der Polizei, oder am Sammelplatz? Wer hat den Schlüssel zur jeweiligen Nutzungseinheit? Die so gesammelten Informationen bilden die Basis für weitere Einsatzmaßnahmen, wie z.B. das gewaltsame Öffnen von Nutzungseinheiten zur Informationsbeschaffung im Bedarfsfall. Da Stadt und Landkreis München einem gemeinsamen Rettungszweckverband bilden, lehnt sich das System sehr stark an die Vorgehensweise der Feuerwehr München an, sodass an größeren Einsatzstellen eine problemlose Zusammenarbeit – insbesondere mit dem Großraumrettungswagen der Feuerwehr München möglich ist. Der GRTW ist konzeptionell in das System stark eingebunden. Vermieden werden sollte insbesondere, dass Nutzungseinheiten durch die Feuerwehr aufgebrochen werden, deren Bewohner z.B. an der Einsatzstelle im GRTW betreut werden, oder bereits durch den Rettungsdienst abtransportiert wurden. Das Konzept hat sich in München bereits bewährt, ist einfach und nachvollziehbar, sowie nahezu intuitiv anwendbar.

Darüber hinaus ist erforderliche Flexibilität gegeben, sodass es z.B. auf Wohnungen in größeren Wohngebäuden, auf einzelne Büroeinheiten in größeren Bürogebäuden, auf Hotelzimmer in Hotels, einzeln Zimmer in Alten- und Pflegeheimen, aber auch auf einzelne Gebäude in definierten Straßenzügen angewendet werden kann. Denkbar sind eine Vielzahl von Einsatzarten, die eine Räumung von Gebäuden (oder Teilen hiervon) aber auch von ganzen Straßenzügen erforderlich machen (z.B. Brandereignis, Gefahrgutlagen, THL- Lagen, Einsturz, Unwetter usw.). Keine Anwendung findet das System dagegen innerhalb der Brandwohnung im Rahmen der Brandbekämpfung bzw. Menschenrettung durch die ersten Atemschutztrupps! Deren Vorgehen der raumweisen Kennzeichnung ergibt sich weiterhin aus dem Atemschutzleitfaden. Jedes Löschfahrzeug (mit zumindest Staffelbesatzung) wird mit einer Kennzeichnungstasche ausgestattet (sodass sich derzeit eine Verteilung von rund 110 Taschen auf den einzelnen Fahrzeugen im Landkreis ergibt).

Foto: KBI München, Kennzeichnungstasche mit Türanhängekarten und „Doku“- Abschnitten

Die Taschen beinhalten neben den zehn Türanhängekarten mit zugehörigem „Doku- Abschnitt“ zehn Kabelbinder mit Beschriftungsfeld (zur Schlüsselkennzeichnung), sowie Schreibmaterial und eine Kurzanleitung. Die Wohnungen bzw. Nutzungseinheiten können mit dem Erkundungsergebnis hierdurch eindeutig gekennzeichnet werden, der „Doku“- Abschnitt dient als „Durschlag“ zur Darstellung an einer Führungstafel, wo die Informationen plakativ zusammengefasst werden.

Foto: KBI München, Darstellung der Lage an der Führungstafel

 

Foto: FF Unterhaching, Übergabe der Kennzeichnungstaschen an die Feuerwehr Unterhaching
v.l.n.r. KBR J. Vielhuber, Landrat C. Göbel, 1. Kdt FF Unterhaching C. Albrecht, stv. Kdt. FF Unterhaching A. Beschowetz, KBM T. Hoffmann (Projektverantwortlicher)

Ausbildungsunterlagen werden für die Feuerwehren im Downloadbereit bereitgestellt, sodass interne Schulungen ab sofort möglich sind.